Kategorie-Archiv:Allgemein

Kapitel 3 – Der Unterweltler

Wir erreichten meine Wohnung. Ich schloss die Tür auf und bat sie rein. Sie war sichtlich dankbar dabei sein zu dürfen. Sie lächelte wie am Spieß. Auf dem Weg hierhin hat sie zwar nicht viel geredet aber ich war auch nicht der Gesprächigste. Aber wir haben uns leicht rumgeschuppst und sie hat gelacht.
„So da sind wir.“
Sie sagte nichts, schaute sich nur um. Sie ging vom Flur in das Bad und schaute sich an. „Kann ich ein Handtuch haben? Ich schau wirklich schrecklich aus.“
„Einen Moment.“ Ich ging in das Bad. In einem weißen kleinen Schränkchen befanden sich mehrere Handtücher. Das Oberste davon war nun für sie bestimmt. Sie rubbelte sich damit die Haare. Es sah einfach süß aus.
„So schlimm schaust Du gar nicht aus.“
„Na ja, ich sah schon mal deutlich besser aus.“
„Du siehst gut und süß aus.“
„Danke, dass Du das sagst.“ Sie schaut nicht so richtig zufrieden aus. Als wenn sie es mir nicht abnehmen würde, dass sie süß aussieht. Wobei Männer auf nasse Frauen einfach stehen. Zumindest meine Wenigkeit findet es gar nicht unattraktiv.
„So, da sind wir in meiner Bude. Nichts besonderes, aber ich hoffe es gefällt Dir. Und was nun?“
Natürlich musste ich die Frage so stellen. Darauf muss das Mädchen nämlich antworten. Und zwar mit dem was sie tun will. Wenn Sie etwas bestimmtes wollte, konnte ich es nur so rausfinden. Und es machte sich auch bemerkbar. Sie nahm meine Hand und ging mit mir durch mein Wohnzimmer zum Balkon hinaus. Anscheinend mochte sie die frische Luft. Sie sah nun schon besser aus. Irgendwie lebendiger. Für mich war zu diesem Zeitpunkt noch alles wie ein Traum. Nira schaute nicht schlecht aus, richtig attraktiv. Sie schaute einfach nach draußen und stellte sich ans Geländer. Es herrschte kein Blickkontakt mehr zwischen uns. Dumm ist sie nicht. Sie hat den Spieß genau umgedreht. Anstatt dass ich nun wissen wollte was sie tun möchte, wartet Sie nun ab was ich tun würde. Ich blieb einfach erstmal stehen. Wäre sie meine Freundin gewesen, hätte ich sie nun von hinten einfach umarmt. Aber bei diesem Mädchen war ich mich nicht sicher, ob ich das tun sollte. Ich musste nun einfach rausfinden was bei diesem Mädchen vorging also fragte ich sie direkt.
„Bist Du auf Männerfang? Oder darf ich mal fragen, was das hier eigentlich geben soll?“ Viele Mädchen hätten sich nun umgedreht und gefragt, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte. Wie könnte ich jemals nur so etwas fragen. Ob sie es nötig hätten sich auf so ein Niveau herunterzulassen. Doch Nira tat nichts dergleichen. Sie stand einfach da ohne mich zu beachten. So als hätte sie die Frage nicht gehört. Ich glaube sie war in Gedanken versunken.
Einige Momente verstrichen. „Lebst Du noch?“ Sie nickte. Ich ging auf Sie zu und versuchte ihr Gesicht zu sehen. Sie weinte. Nun verstand ich absolut gar nichts mehr. Was wollte dieses Mädchen von mir? „Geht es Dir nicht gut? Kann ich Dir irgendwie helfen?“ Sie drehte sich um: „Nein, mir kann keiner mehr helfen!“ Sie brüllte die Worte mehr als das sie diese sagte. Ich schaute in ihre Augen und fragte „Hab ich was falsch gemacht?“ Sie schüttelte den Kopf und meinte „Nein, hast Du nicht. Ich muss dir das Ganze in Ruhe erklären. So auf die Schnelle geht das leider nicht.“
„Ja, momentan bin ich hier und habe eine Menge Zeit.“ Irgendwie immernoch leicht betrunken stand ich vor ihr.
„Ich weiß.“ Sie kam mir ein Stück näher. „Aber momentan will ich nichts erklären.“ Wir näherten uns noch mehr und konnten von jeweils dem Anderen den Atem spüren.
Ich dachte schon, dass sie mich küssen möchte. Stattdessen ging sie wieder ins Innere der Wohnung. Sie sah sich meine Wohnung weiter an. Wie angewurzelt blieb ich einfach stehen. Ich genoss den Blick von meinem Balkon in die Ferne. Nach ein paar Augenblicken stand sie wieder bei mir draußen. „Kommst Du mit rein?“ Sie schaute mir direkt in die Augen. „Nein,“ erwiderte ich. „Ich möchte noch eine Runde spazieren gehen. Hier hast Du eine Jacke, falls Du mitkommen willst. Du kannst aber auch gerne in der Wohnung bleiben bis ich wieder da bin.“ Sie lächelte, nahm die Jacke auf die ich gedeutet hatte und kam mit mir mit. Wir gingen wieder hinaus in die Nacht.