Kapitel 2 – Der Unterweltler

Ich bin ein sehr nachdenklicher Mensch. So ging ich auch an diesem Abend nach Hause ohne darauf zu achten was um mich herum wirklich geschah. An Mustern orientierend ging ich über die Straße, wie ein Kleinkind wenn man so will. Zu diesem Zeitpunkt war mich nicht bewusst, dass ich beobachtet wurde. Ein junges Mädchen schaute mir hinterher. Doch ich konnte sie nicht sehen. Sie war auf einem Dach. Woher ich das weiß? Dazu komme ich später nochmal. Sie hatte mich im Blick, warum wusste ich nicht. Doch ich wusste, dass ich nach Hause wollte. Ein einigermaßen warmes Bett (ich schlief schon immer mit offenem Fenster, weswegen mein Zimmer kühl war) wartete auf mich. Es drehte sich mir schon leicht. Ich blieb stehen. Noch 5 Kilometer lagen vor mir bis ich zu Hause war. Doch heute sollte ich nicht mehr erleben.

Das wurde mir klar, als ich hinter mir ein Geräusch hörte. Ich drehte mich um und das Mädchen stand vor mir. Sie kam mir sehr nahe und sagte „Lauf nicht weg. Ich tue nichts.“ Auf einmal war ich wie geschockt. Sie sah gut aus doch sie tat mir nichts. Sie roch an mir. „Entschuldige, wenn ich Dich so überfalle. Aber Du bist mir vorhin schon aufgefallen.“ Ich ging einen Schritt nach hinten. „Ähm, ich bin geschmeichelt.“ Wir ließen ein paar Augenblicke verstreichen. Mir fiel sehr stark auf, dass sie aufgeregt war. Sie zitterte. Nur ein T-Shirt bekleidete ihre Brust. Ich dachte mir „Typisch Mädchen, immer zu wenig angezogen.“ Im Nachhinein fiel mir aber auch auf, dass dies eine gute Taktik war um Jungs anzugraben. Aber wieso sollte ein Mädchen, dass defintiv hübschere Jungs als mich haben könnte mich ansprechen? In meinen Augen machte dies einfach keinen Sinn. Ich zog meine Jacke aus und legte sie ihr um. Sie schaute mich mit süßen, wachen Augen aber auch, ja ich kann es nicht beschreiben, einem seltsamen Blick an. Verliebt, verknallt? Nein, das war es irgendwie nicht. Ich kam einfach nicht drauf.
„Danke. Und hi, ich bin Nira.“
„Hallo, ich bin Martyn. Wieso läufst Du ohne Jacke und auch noch um die Uhrzeit rum? Und ähm, ohne blöd zu klingen, wolltest Du nicht nach Hause gehen, oder so?“ Ich schaute sie mit leicht schiefem Blick an.
„Ja, sollte ich.“ Sie starrte mit einem leeren Blick auf den Boden. Ich verstand einfach nicht wie man mit so einer Art einen Kerl auf der Straße anbaggern konnte. In einem Wetter das alles andere als traumhaft war. Andererseits bin ich jemand der an die eine Person in deinem Leben glaubt. Und wenn es mit einem Mädel nicht geklappt hat, war sie einfach noch nicht da. Doch ich glaube auch, dass man sich verpassen kann. Und sie einfach jemand anders nimmt. Das ist kein Schicksal. Jeder hat sein Schicksal selbst in der Hand. Das ist meine Meinung. Und ich denke sie wollte selber dafür sorgen ihr Schicksal in die Hand zu nehmen.
„Wohnst Du weit von hier?“
„Na ja, es geht. Aber momentan will ich nicht nach Hause. Wie weit wohnst Du von hier?“ Sie lächelte mich leicht an. Wieso wollte dieses Mädchen unbedingt bei mir bleiben? Irgendwie konnte ich nicht so recht glauben, dass ich ihr so gut gefiel. Es war irgendetwas anderes was sie an mir mochte oder sie von mir wollte. Und nein, ich war momentan eigentlich nicht in der Stimmung für Sex. Schon gar nicht, wenn ich besoffen bin. Auch wenn ich mich dafür echt gut machte. Es fiel überhaupt nicht auf, dass ich betrunken war. Aber mir war es etwas unangenehm zu viel getrunken zu haben. Schließlich will man vor der Frau, die einem gefällt, auch glänzen können. Ich konnte es zu dem Zeitpunkt defintiv nicht. Auch wenn ich noch nicht komische Sätze ausspuckte. Ganz grade laufen konnte ich dennoch nicht. Mir war die gesamte Situation irgendwie unangenehm. Betrachtet man es von außen, hat mich grade ein Mädchen angesprochen, die auf mich steht, für das Wetter nicht angemessen gekleidet ist und mit mir zu mir nach Hause will. Riecht nacht Sex. Sollte mir sowas egal sein? One-Night-Stands sind nichts besonderes. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es nicht dabei bleiben würde.
„Das Problem für mich ist, ich kenne Dich ja nicht mal.“
„Das können wir gerne ändern.“ Sie hatte dieses Mal ein breiteres Lächeln aufgesetzt.
„Ok, gerne. Na dann lass uns gehen. Ich warne Dich aber vor. Es ist noch ein gutes Stück bis zu mir.“
„Damit habe ich kein Problem.“ Sie hakte sich bei mir ein. War ein schönes Gefühl mit einer Frau untergehakt spazieren zu gehen. Das Gefühl hatte ich zwar schon öfters aber es ist trotzdem einfach unglaublich. Und wir gingen davon.